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Musikalische Analyse und Sprache

 

Musik war schon von frühester Kindheit an ein das Leben bestimmender Faktor. Einem ersten Versuch des Studiums in Musikwissenschaften an der Uni Köln folgte das wesentlich Praxis orientiertere Studium zum Staatlich geprüften Musikschullehrer für Gitarre an der Universität Koblenz-Landau. Von da an folgten Jahre der Unterrichtstätigkeit an diversen privaten wie städtischen Musikschulen.   

So wunderbar der Weg als Musiker, Pädagoge und Komponist auch vorgezeichnet gewesen sein mag, stets blieben und bleiben immer noch Fragen vor allem zum Verstehen von Musik auf der Strecke: Wie verstehst Du das Stück, was löst es in Dir aus? Warum löst es in mir etwas anderes aus? Und wieso sind unsere Worte darüber oft ähnlich, dabei mal mehr, mal weniger abweichend? Diese Fragen fordern eine wissenschaftlich interdisziplinäre Zuwendung ein, gehen dabei über die übliche ästhetisch-philosophische Betachtungsebene hinaus und streifen u. a. auch wahrnehmungspsychologische Bereiche. Daher das späte Wiederaufgreifen der Musikwissenschaften an der Uni Osnabrück, was in einem Magister und einer Promotion zum Thema musikalische Analyse mündete.

Besonders prägend und letztlich ausschlaggebend war dabei 2002 die Aufführung von Hans-Joachim Hespos´ Stück Passo und die Teilnahme als betreuender Musikpädagoge meiner damaligen Schüler im Rahmen des Jubiläumskonzerts des Niedersächsischen Staatstheaters. Nicht allein die Begeisterung meiner Kids über ein solches Event sprach Bände, auch wurde allen anderen Teilnehmer schlagartig klar, wie schmal die Grenze zwischen E- und U-Musik sein kann. Davon fasziniert, widmete ich meine damals anstehende Magisterarbeit dem Werk Hespos´, jedoch nicht ohne anschließend mit einer großen Frage zurückzubleiben: Was kann die traditionelle musikalische Theorie noch leisten, wenn der Untersuchungsgegenstand ein Werk von extremer Individualität ist und sich daher traditionellen Verfahren der musikalischen Analyse entzieht?

Die Antwort darauf fand ich in einer hermeneutischen Analysesystematik, die 2009 auch mein Promotionsthema wurde. 2011 war ich schließlich Mitinitiator eines Symposiums und Mitherausgeber eines Tagungsbandes mit dem gleichnamigen Titel "Die Metapher als Medium des Musikverstehens", worin sich alles um das enorme Verstehenspotential der Metapher dreht, und zwar nicht im Kontext von Sprache allein, sondern u. a. auch in Bezug auf die musikalische Analyse und ihre Theorien.